Inhalt |
Einleitung |
Mit Kriegsende erfolgte kein Verkehr mehr auf Berlins Straßenbahnnetz. Erst in den folgenden Wochen und Monaten wurden Teilabschnitte wieder in Betrieb genommen. Wagenmangel, eine unzureichende Energieversorgung und zerstörte Straßen, Brücken, Schienen und Oberleitungen führten zu einem fast planlos oder chaotisch wirkenden Netz zu dieser Zeit.
Die Wiederinbetriebnahme erfolgte von den Vororten aus, da dort Schäden geringer ausfielen als im Zentrum. Mit der Eröffnung von Betriebshöfen wurden auch gleich ein oder mehrere Linien auf Abschnitten wieder befahren. Oft dabei zunächst auch eigenständige Teilstrecken in Betrieb genommen, wenn z.B. zerstörte Brücken eine Unterbrechung des Linienverlaufs dies nicht anders zuließen, d. h., die Brücke musste dann zu Fuß überquert werden. Auf der anderen Seite konnte dann in der Anschlußbahn die Fahrt fortgesetzt werden.
Bereits zu Beginn des Jahres 1946 waren die vielen Teilnetze der Nachkriegswochen wieder verbunden, oft auch durch mehrjährige Provisorien. An einigen Stellen dauerte es jedoch noch mehrere Jahre, bis wieder ein Betrieb möglich war bzw. sinnvoll erschien.
Die Teilung und Besetzung der Stadt blieb auch in den direkten Nachkriegsjahren nicht ohne Auswirkungen auf das Netz: Im Frühjahr 1947 zwangen knappe Kohlevorräte und daraus resultierende Einschränkungen der Energieversorgung zu vorübergehenden Sparmaßnahmen im Streckennetz. Die Blockade vom Juni 1948 bis Mai 1949 führte erneut zu diesmal drastischen Kürzungen. Ab 18 Uhr herrschte Betriebsruhe im West-Berliner Streckennetz. Überall dort, wo Alternativen bestanden, wurde der Straßenbahnbetrieb auf Monate ausgesetzt. Es steht zu Vermuten an, dass Taktzeiten auf ein gerade vertretbares Maß gestreckt wurden.
Ab 24. März 1949, also noch während der Blockade, erfolgte an der Sektorengrenze ein Schaffnerwechsel. Aber auch dies sollte bald ein Ende finden. Die Anzahl der sektorenüberschreitenden Linien verringerte sich nach Blockadeende langsam. Ob nun aus Gründen veränderter Verkehrsströme, oder, weil jede Verwaltung "ihre" Linien möglichst klar definiert betreiben wollte, bleibt offen. Mit dem Nachmittag des 15. Januar 1953 wurden alle Verbindungen über die Sektorengrenze eingestellt und nie wieder aufgenommen. Manche der wieder hergestellten Strecken, die zwar ohne regelmäßigen Linienverkehr auskommen mussten, aber dennoch für Umleitungen ihre Berechtigung hatten, wurden daraufhin endgültig eingestellt. Sowohl die östliche wie auch die westliche Verwaltung war in den folgenden Tage an mehreren Stellen im Netz mit dem Einbau von zusätzlichen Gleiswechseln nahe der Sektorengrenze, also der zukünftigen Endpunkte, beschäftigt
1954 – die BVG war auf Verwaltungsebene schon Jahre getrennt –erfolgte die Entscheidung zur Einstellung ("Rückbaus") des
Straßenbahnnetzes. Im Gegenzug sollten U-Bahnen, Schnellbusse und normale Busse
den stetig zurückgehenden Verkehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln übernehmen.
Die Einstellung vollzog sich aus heutiger Sichtweise wohlüberlegt. Zuerst wurde in den Villenvierteln vom Grunewald und fast auf dem gesamten Kurfürstendamm der Betrieb beendet. Die U-Bahn-Eröffnung 1958 nach Tegel war Anlaß, fast das gesamte Reinickendorfer Streckennetz (unabhängig vom Bezug zu dieser U-Bahn) einzustellen. In der Folge wurde bis 1960 das restliche Netz in Reinickendorf schrittweise auf Bus umgestellt. Anfang der 1960er Jahre konzentrierten sich die Einstellungen auf viele Strecken in Wedding, Moabit, Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof. Diese und andere Gebiete wurden um wichtige Straßenbahnverbindungen beraubt, die sehr oft durch Buslinien mit anderer Nummer, aber identischem(!) Linienweg ersetzt wurden. Steglitz und Wilmersdorf waren ab 1963 bzw. 1964 ohne Straßenbahn, dem folgte schließlich bis 1967 das bis dahin weitgehend verschonte Spandau sowie dessen Verbindungen durch Charlottenburg in die City-West.
Für den Außenstehenden sei noch einmal betont: Der Mauerbau am 13. August 1961 konnte kein zusammenhängendes Netz mehr teilen. 1953 erfolgte die Netztrennung und jeweils eigenständige Entwicklung. In West-Berlin waren viele Strecken bereits Parkplätzen oder breiteren Straßen gewichen, in Ost-Berlin war man bemüht, grenznahe Strecken entweder einzustellen oder für den Fahrgastverkehr zu sperren, d.h., lediglich für betriebliche Fahrten zu öffnen.
Diese Seiten sollen eine Ergänzung zu denjenigen Quellen darstellen, die Linienchroniken "lediglich" in textueller oder tabellarischer Form beinhalten.
Als Quellen dienten die unter den
Links.
angegebenen Seiten sowie mittlerweile auch der Klassiker
Linienchronik der Berliner Straßenbahn 1945-1993
von Wolfgang Kramer. Außerdem möchte ich mich ganz besonders bei den folgenden Personen bedanken, die mir zahlreiche Hinweise, Korrekturen und Tips gegeben haben:
- Thomas Goldammer
- Christian Ewald
- Bernd Freimann vom Sammlerkreis Verkehr Berlin
- Uwe Poppel von den Berliner Verkehrsblättern
- Michael Luka
Dank auch an andere gern beachtete Kommentare. Außerdem lagen mir noch Stadt- bzw. Streckenpläne aus den Jahren 1950 und 1960 vor. Alle - bisherigen - Unklarheiten für die Streckenpläne West-Berlins konnten beseitigt werden.
Ausgewählte Netze |
Einige Netzpläne für ausgewählte Ereignisse in der Entwicklung des Berliner Straßenbahnnetzes (bitte diese Unterseiten nicht als Lesezeichen aufnehmen):
| • | 20. Mai 1945: | Die ersten Bahnen im Westteil der Stadt fahren von Tegel aus |
| • | 1. Juni 1945: | Erste Bahnen in Neukölln |
| • | 11. Juni 1945: | Erste Bahnen in Tempelhof |
| • | 14. Juni 1945: | Erste Bahnen in Spandau und Kreuzberg |
| • | 20. Juni 1945: | Erste Bahnen in Steglitz |
| • | 30. Juli 1945: | Erste Bahnen in Schöneberg |
| • | 5. August 1945: | Erste Bahnen in Reinickendorf |
| • | 10. August 1945: | Erste Bahnen auf dem Kurfürstendamm |
| • | 18. August 1945: | Erste Bahnen erreichen den Hermannplatz |
| • | 23. August 1945: | Erste Bahnen nach Mariendorf |
| • | 9. September 1945: | Erste Bahnen nach Wittenau |
| • | 10. September 1945: | Erste Bahnen erreichen Lichtenrade |
| • | 21. September 1945: | Erste Bahnen nach Siemensstadt |
| • | 29. September 1945: | Erste Bahnen erreichen von Süden kommend die City-West |
| • | 26. Oktober 1945: | Erste Bahnen erreichen den Potsdamer Platz |
| • | 2. November 1945: | Erste Bahnen erreichen das südliche Lichterfelde |
| • | 14. Dezember 1945: | Erste Bahnen nach Grunewald |
| • | 24. Januar 1946: | Umfangreiche Wiederinbetriebnahmen im gesamten Stadtgebiet |
| • | 24. Juni 1946: | Weitere zahlreiche Inbetriebnahmen |
| • | 22. Februar 1947: | Strommangel führt zu zahlreichen Betriebseinschränkungen |
| • | 24. Februar 1947: | weitere Betriebseinschränkungen |
| • | 8. Juni 1947: | Straßenbahnverkehr wieder normalisiert |
| • | 8. Juli 1948: | Erste Einschränkungen aufgrund der Blockade |
| • | 9. Juli 1948: | Die Blockade führt zu schwerwiegenden Einschränkungen |
| • | 12. Mai 1949: | Blockadeende |
| • | 1. Juni 1949: | Das Netz der West-Berliner Straßenbahn im Frühsommer 1949 |
| • | 14. Oktober 1950: | Keine Bahnen mehr aus West-Berlin ins Brandenburger Umland |
| • | 16. Januar 1953: | Straßenbahnspaltung |
| • | 2. Februar 1953: | Das Netz der West-Berliner Straßenbahn nach der Spaltung |
| • | 17. Juni 1953: | Juniaufstand |
| • | 1. Juli 1954: | Grunewald ohne Straßenbahn |
| • | 14. Dezember 1954: | Keine Bahnen mehr über den Kurfürstendamm |
| • | 1. Juli 1955: | Die letzte Streckenwiedereröffnung in West-Berlin (in Kreuzberg) |
| • | 1. Mai 1957: | Wilmersdorf ist fast straßenbahnfrei |
| • | 1. Juni 1958: | Umfangreiche Streckenstillegungen im Bezirk Reinickendorf |
| • | 1. Dezember 1959: | Neue Situation nach den Bauarbeiten am Bf. Zoo |
| • | 1. September 1961: | Im Wedding fahren nur noch zwei Linien... |
| • | 2. Mai 1963: | Keine Bahnen mehr nach Steglitz und Friedenau |
| • | 15. November 1963: | Betriebsstrecken halten das Netz noch zusammen |
| • | 1. August 1964: | Wedding und Wilmersdorf sind endgültig straßenbahnfrei |
| • | 2. Mai 1965: | Straßenbahnrestlinien verkehren noch durch einige Bezirke |
| • | 1. Juli 1966: | Eine lange Betriebsstrecke von Charlottenburg bis Britz verbindet die letzten Linien |
| • | 2. Mai 1967: | Es gibt nur noch eine Straßenbahnlinie in West-Berlin |
| • | 2. Oktober 1967: | Die letzte Straßenbahnstrecke wurde stillgelegt. Überführungsfahrten finden noch bis Dezember 1967 auf dem letzten Abschnitt statt |
Alle Netze |
Die Netze gelten jeweils vom angegebenen Datum an, bis sie durch einen jüngeren Plan abgelöst werden. Bitte diese Unterseiten nicht als Lesezeichen aufnehmen.
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- Berlins blinde Verkehrsbauten (www.bliverbau.de)
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